Bachelor Entwerfen und Baukonstruktion IV

35 Teilnehmer*innen
Donnerstag & Freitag, 10 – 18 Uhr
A206
PiE Tragwerk mit AUT

Kooperationen:

Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt
enaeble – architecture & environment
Claudia Wegworth – Expertin für Bauen & biologische Vielfalt
BUND Berlin

Dem Land Berlin liegt das Konzept für den Bau eines „Kompetenzzentrum Landschaftsentwicklung für Artenvielfalt und Resilienz (KLAR)“ vor. Dieses soll in unmittelbarer Nähe des künftigen Naturschutzgebiets „Lichterfelder Weidelandschaft“ des BUND realisiert werden; so lässt sich dessen überaus hohe Artenvielfalt gemäß der Idee der Unterschutzstellung  für Wissenschaft, Lehre und Forschung noch besser nutzen. Ziel dieser zukünftigen Einrichtung mit Besprechungs- und Arbeitsräumen ist es, in Verbindung mit den umfangreichen Freilandmöglichkeiten der Lichterfelder Weidelandschaft Veranstaltungen zur Qualifizierung und Vernetzung von Naturschutz-Fachleuten zu ermöglichen. Auch soll ein solches Gebäude Naturbildungsangebote für die breite Öffentlichkeit ermöglichen. 

Zusammen mit dem Fachgebiet AUT wollen wir in diesem Semester zusammen mit den unseren Kooperationspartner*innen Entwürfe für das KLAR erarbeiten, die sich an den Prinzipien des kreislaufgerechten Bauens und der Stärkung der Artenvielfalt am Gebäude orientieren. 

COEXISTING
Zwei für Mensch und Tier

Naima Bahri
Selin Ece Caglayan
Esther Itoua
Valentina Villa
Jana Zarewski

Ausgangspunkt des Entwurfs ist die Auseinandersetzung mit dem gebauten Bestand der Weidelandschaft. Die abzureißenden Schuppen verstehen wir nicht als Verlust, sondern als Ressource: Klinkerziegel sowie ausgewählte
Bauteile und Möbel können wiederverwendet und als Zeugnisse vergangener Räume in den Neubau integriert werden.

Unser Entwurf für das KLAR basiert auf der Trennung von beheizten und unbeheizten Nutzungen. Daraus entwickeln sich zwei eigenständige Baukörper: ein massives Mauerwerksgebäude und ein leichter Holzskelettbau.
Die beiden Gebäude sind nebeneinander positioniert, öffnen sich zur Landschaft und bilden einen gemeinsamen Innenhof.

Ein durchgehender Ziegelboden verbindet die Baukörper miteinander und schafft einen fließenden Übergang zwischen Innen- und Außenraum. Die Grundrisse sind flexibel angelegt und ermöglichen unterschiedliche Nutzungen – von Seminaren, Workshops und Laborarbeit bis hin zu Ausstellungen oder nachbarschaftlichen Veranstaltungen.

Der Holzbau ist für kleine Ausstellungen ausgelegt, wobei das Archiv-Schauregal ein wesentlicher Bestandteil ist: Ein Teil des Archivs wird hier ausgestellt, um den wissenschaftlichen Aspekt der Arbeit des KLAR für Besucher*innen erlebbar zu machen. Darüber hinaus kann sich der Holzbau zur Grünfläche hin öffnen und bietet bei warmem Wetter überdachte Arbeits- und Aufenthaltsbereiche, während der massive Bau durch seine flexible Gestaltung ganzjährig unterschiedlich nutzbare Räume bereitstellt.

Ein wesentlicher Bestandteil des Entwurfs ist die Koexistenz von Mensch und Tier. Neben den menschlichen Nutzungen werden Lebensräume für Tiere geschaffen, die räumlich geschützt und teilweise für Menschen nicht zugänglich sind. Durch integrierte Nistplätze, tiergerechte Dachräume und eine gezielte Bepflanzung wird die Artenvielfalt aktiv gefördert.
KLAR
Die Weide im Blick

Ricardo Peixoto
Polina Biliavska
Jolanda Seeber
Miłosz Zalubski

Die Lichterfelder Weidelandschaft ist Lebensraum zahlreicher Tierarten und steht im Mittelpunkt unseres Entwurfes. Unser Konzept basiert auf der Idee, die Weide erlebbar, aber nicht begehbar zu machen. Eine gezielt ausgerichtete Aussichtsplattform ermöglicht Besuchenden einen eindrucksvollen Blick auf die Weidelandschaft. Die klare, kubische Gebäudeform wird durch Einschnitte gegliedert, die besondere Orte wie Terrasse und Eingang markieren.
Das Gebäude gliedert sich in eine öffentliche Zone im Erdgeschoss und eine private Zone im Obergeschoss. Das Erdgeschoss beherbergt einen großzügigen, teilbaren Versammlungs- und Ausstellungsraum, einen Übungsraum mit Mikroskopen, eine Teeküche sowie Technik- und Sanitärbereiche. Im Obergeschoss befinden sich das Archiv, eine barrierefreie Toilette und zwei teilbare Büroräume mit einem dazwischenliegenden Aufenthaltsbereich. Einer der Büroräume hat Zugang zur Terrasse. So entstehen klar gegliederte Bereiche für konzentriertes Arbeiten, Aufenthalt und Brainstorming.
Die Terrasse, die sowohl vom Obergeschoss als auch über eine abschließbare Außentreppe erreichbar ist, bietet einen optimalen Blick auf die Weidelandschaft und kann in die Ausstellung integriert werden. Hier können Besuchende über
Infowände mehr über die Weidelandschaft erfahren und mit etwas Glück Tiere mit dem Fernglas beobachten.
Wir haben für unsere Fassade spezielle Fledermausbretter und Nistkästen entworfen, die in der Fassade platziert werden können. Fledermäuse finden durch schmale Spalten Zugang und Vögel durch kleine Öffnungen. Zusätzlich wird Vogelschutzglas eingesetzt, das nicht nur die Tiere schützt, sondern auch den Sonneneinfall reguliert. Der Zugang zum Gebäude erfolgt über einen tierfreundlichen Holzweg, und im Außenbereich werden verschiedene Vegetationsstrukturen angelegt sowie vorhandenes Totholz genutzt, um weiteren Tierarten Lebensraum zu bieten.
DRINNEN DRAUßEN
KLAR verbunden

Emma Foraboschi
Florence Meger
Gotelind Huebert
Leonie Glaz
Luzie Ruby

In unserem Gebäude in der Lichterfelder Weidelandschaft steht das Zusammenspiel von Drinnen und Draußen im Mittelpunkt. Durch drei verschiedene Zonen, die sich in ihrer Offenheit zur Natur unterscheiden, begegnet man immer wieder dem Draußen.
Im Erdgeschoß befindet sich der große Versammlungsraum sowie funktionale Räume, wie Toiletten und Lager. Diese werden über eine umlaufende Veranda erschlossen. Man muss immer wieder aus dem Raum auf die Veranda heraustreten, um in einen anderen Raum zu gelangen. Die Veranda ist witterungsoffen, jedoch durch Holzscreens etwas abgeschirmt. Im Obergeschoß wird die gesamte Fläche von einem Gewächshaus überspannt. In diesem befinden sich flexible Boxen in denen die Büronutzung, der Besprechungsraum, Toiletten und eine Küche untergebracht sind. Außerdem können hier Pflanzen gezüchtet werden, Forschung an diesen stattfinden und Workshops für AnwohnerInnen stattfinden. Die Boxen sind anpassbar gestaltet. Bei veränderten Anforderungen können sie erweitert, verkleinert oder verschoben werden.
Das Gebäude ist unterteilt in warme Bereiche, wie den Versammlungsraum und die Büroboxen, in kühle Bereiche, wie das Gewächshaus und in kalte Bereiche, die Veranda. Diese thermische Zonierung sorgt für geringere Energiebedarfe im Winter und ergibt sich logisch aus den verschiedenen Nutzungen. Zudem wird das Gewächshaus von der Sonne erwärmt. Wenn man im Winter einen wärmeren Arbeitsplatz braucht, kann man die jeweilige Box einzeln mit einer
elektrischen Heizung wärmen. Möchte man am großen Arbeitstisch in der Mitte des Gewächshauses etwas tun, kann man diesen mit Infrarotstrahlern angenehm gestalten. Im
Sommer lassen sich große Fensterflächen auf gegenüberliegenden Gebäudeseiten öffnen, sowie
Fenster im Dach. Außerdem spendet eine Fassadenbegrünung im Süden und Westen Schatten.
Die Terrasse und die verschattete Veranda sind ebenfalls schöne Aufenthaltsbereiche.

Unser Entwurf basiert in der gewählten Materialität auf der Rücksichtnahme Vögeln gegenüber. So dienen die Screens vor der Veranda sowie das sandgestrahlte Glas des Gewächshauses dazu Vogelschlag zu verhindern. Als Brutplätze haben wir Nistkästen für Haussperlinge und für Fledermäuse in den Bereich oberhalb des EG, quasi als Zwischengeschoss platziert. Die Tiere profitieren außerdem von der Fassadenbegrünung bestehend aus wildem Wein und wilden Rosen und Hecken auf dem Gelände. Zudem haben wir stehendes und liegendes Totholz, in der Sonne wie im Schatten, eine trocken Mauer und weitere Begrünung vorgesehen, um auch Insekten und Reptilien einen Lebensraum zu bieten.
Hast Du das gesehen?
KLAR!

Friedrich Kulms
Jakob Miersch
Leonard Fichter
Omar Sheikhani

Im Süden Berlins entsteht mit dem Kompetenzzentrum für Landschaft, Artenvielfalt und Resilienz (KLAR) ein Ort, der Forschung, Bildung und gemeinschaftliches Engagement verbindet. Eingebunden in eine neue Wohnsiedlung und angrenzend an eine geschützte Weidelandschaft bildet das Gebäude einen vermittelnden Übergang zwischen Stadt und Natur. Das offene, zweigeschossige Foyer empfängt Besucher*innen mit Informationsmaterial, Ausstellungsflächen und einer Teeküche als sozialen Treffpunkt. Ein flexibel nutzbarer Mehrzweckraum schafft Raum für Workshops, Vorträge und Ausstellungen, während die Arbeitsbereiche des BUND Platz für Forschung und naturbezogene Projekte bieten.
Architektonisch versteht sich KLAR als lebendiges Beispiel ökologischer Baukultur. Die modulare, leimfreie Holzkonstruktion ermöglicht einen vollständigen Rückbau und Wiederverwendung der Materialien. Die Fassade besteht aus anpassbaren Modulen, die gemeinsam mit Anwohnenden in Workshops gepflegt und weiterentwickelt werden. Diese partizipative Care-Struktur stärkt nicht nur den lokalen Zusammenhalt, sondern macht ökologische Verantwortung konkret erfahrbar. Durch arten- und klimaspezifisch angeordnete Elemente bietet die Gebäudehülle Lebensräume für Vögel, Fledermäuse, Insekten und Pflanzen und wird so selbst Teil des ökologischen Netzwerks. Ein urbaner Garten und ein Aussichtsturm öffnen das Kompetenzzentrum zur Nachbarschaft und laden zum Entdecken ein. Der Turm ermöglicht Einblicke in die angrenzende Weidelandschaft und vermittelt Wissen über Artenvielfalt und ökologische Zusammenhänge. Mit KLAR entsteht ein Ort, der Wissenschaft, Öffentlichkeit und Natur in Dialog bringt, ein lebendiger Baustein für eine nachhaltige, resiliente Stadtlandschaft.
Nehmen & Geben
Lebensräume mitdenken

Paul Gretscher
Zaja Clausnitzer
Cansu Celik
Dulguun Altanshagai
Sabrina Friedrich

In Lichterfelde Süd entsteht neben einem neuen Wohnprojekt ein Kulturzentrum, das sich nicht nur an Menschen richtet, sondern auch als Lebensraum für Tiere verstanden wird. Ziel ist es, Kultur und Artenschutz an einem Ort zu vereinen.
Da durch die Bebauung fast die Hälfte der bisherigen Grünflächen verloren geht und damit Lebensräume verschwinden, wird das Gebäude gezielt so geplant,
dass es neuen Raum für Vögel, Fledermäuse und Insekten schafft. Der Bau ist als Holzgebäude mit Holzrahmenwänden konzipiert. Die natürlichen Materialien sorgen für ein angenehmes Mikroklima und bieten gute Bedingungen für Tiere. In die Fassade sind spezielle Nistkästen für Haussperlinge, Mauersegler und Fledermäuse integriert. Sie sind etwa 50 Zentimeter voneinander entfernt, nach Nordosten ausgerichtet und so vor Überhitzung und direkter
Sonneneinstrahlung geschützt. Je nach Wandstärke liegen die Nistkästen teilweise in der Dämmebene und sind dadurch besonders gut vor Witterungseinflüssen geschützt. Zwischen Nistkästen und Fassade entstehen schattige Bereiche, die ideale Bedingungen für Insekten bieten. Diese bilden eine natürliche Nahrungsquelle für Vögel und Fledermäuse, sodass ein kleines, funktionierendes Ökosystem direkt am Gebäude entsteht. Auch das Dach trägt zum Artenschutz bei: Es ist als nicht begehbares Totholzdach gestaltet, in dem sich Kleinstlebewesen, Pilze und Insekten ansiedeln. Diese erhöhen die biologische Vielfalt und schaffen zusätzliche
Rückzugsräume. Obwohl das Kulturzentrum viele Besucherinnen und Besucher anzieht, sind die Nistkästen so platziert, dass Störungen minimiert werden. So entsteht ein Ort des Nebeneinanders, an dem menschliche Kultur und tierisches Leben gleichberechtigt Platz finden und die Artenvielfalt geschützt wird.
KLAR
Ein Ort dazwischen

Eric Nie
Jonathan Uckert
Oleg Wähner
Thomas Weber
Ron Zarrinbal

KLAR ist ein Kulturzentrum für Artenschutz – ein Ort der Begegnung zwischen Menschen, Natur und gebautem Raum.
Der Entwurf versteht sich als „Ort dazwischen“: zwischen Innen und Außen, zwischen Wohngebiet und der lichterfelder Weidelandschaft, zwischen kultureller Nutzung und ökologischer Verantwortung.

Das Gebäude besteht aus vier eigenständigen Volumen, die jeder ihre eigene Nutzung darstellen. Die Volumina werden unter einem gemeinsamen Dach zusammengeführt und bilden somit eine Einheit. Dieses verbindende Element schafft einen geschützten Zwischenraum, der Ausstellungen und Aufenthalt ermöglicht und zugleich die einzelnen Funktionen klar strukturiert.

Artenschutz ist integraler Bestandteil des architektonischen Konzepts. Eine Kombination aus extensiver und intensiver Dachbegrünung schafft neue Lebensräume und verbessert das Mikroklima. Ergänzend werden Nistkästen und
artspezifische Rückzugsorte in die Fassade und Dachlandschaft integriert. So wird das Gebäude selbst zum Habitat und übernimmt aktiv ökologische Verantwortung.

KLAR steht für eine Architektur, die nicht nur Raum für Kultur schafft, sondern selbst Teil eines lebendigen Ökosystems wird.
With: Nina Pawlicki, Eike Roswag-Klinge, Sebastian Reitemeyer