MISSION STATEMENT
Der Forschungsansatz des Natural Building Lab  generiert Wissen und Prototypen für die gebaute Umwelt in einer postfossilen Gesellschaft. Im Angesicht planetarer Grenzen sind wir überzeugt davon, dass klima- und ressourcenangepasste, zirkuläre Bausysteme unter Einsatz von nachwachsenden, erneuerbaren oder wiederverwendeten Baustoffen und das gesunde LowTech Bauen mit klimaaktiven Naturbaustoffen eine zukunftsweisende Baukultur ermöglichen. An der Schnittstelle zwischen akademischen und nicht-akademischen Umfeld entwickeln wir hierfür mit unserer Forschung angewandte Lösungsansätze. Diese verfolgen ganzheitliche und gemeinwohlorientierte Grundsätze und entstehen in transdisziplinären Prozessen in Architekturausbildung und -produktion aus dem Dialog mit anderen Fachdisziplinen, dem Handwerk und der Gesellschaft. Ressourcenknappheit und Klimawandel erfordern von uns ein Umdenken in der Art wie wir leben, konsumieren, arbeiten und bauen.

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BACKGROUND
In Europa ist der Bausektor für jährlich ca. 750 Mio. Tonnen Bauabfälle verantwortlich, das entspricht ca. 60% des gesamten Müllaufkommens. Die Substitution des insbesondere in der Herstellung von Beton viel verwendeten und schwindenden Baustoffs Sand ist eine der global größten Herausforderungen des Jahrhunderts. Durch die Nutzung endlicher, fossiler Ressourcen, die Industrialisierung und den menschlichen Konsum sind die Eingriffe und die Auswirkungen des menschgeformten Zeitalters - des Anthropozäns - so groß, dass ein Überleben der Menschheit und wesentlicher Teil der gewohnten Pflanzen- und Tierwelt auf dem Planeten Erde in Gefahr ist. Vor diesem Hintergrund liegt ein Lösungsansatz für zukünftiges Bauen im zirkulären Bauen, also der wiederkehrenden Nutzung der bereits aufgewendeten Ressourcen, ebenso wie im Einsatz von nachwachsenden oder erneuerbaren Baustoffen. Um Ressourcen zu schonen muss der Gebäudebestand erhalten aber grundlegend transformiert werden. Zukünftige Architektur muss einer Reduktion des Flächenkonsum, also ein inneres Wachstum ermöglichen und über flexible Nutzungsstrukturen einen langfristigen Erhalt der Substanz ermöglichen. Zukunftsfähige Gebäude und Quartiere müssen an ihre jeweiligen lokalen klimatischen Rahmenbedingungen angepasst und adaptiv geplant sowie errichtet und aus regenerativen Quellen betrieben werden.  

KLIMA- UND RESOURCENANGEPASSTE, ZIRKULÄRE BAUSYSTEME
Das Natural Building Lab forscht zu klimaadaptiven Bausystemen in unterschiedlichen lokalen und kulturellen Kontexten. Ein wesentlicher Fokus liegt dabei in der Untersuchung des Einsatzes von nachwachsenden, erneuerbaren oder wiederverwendeten Ressourcen.Um weiterer Zersiedlung und Versiegelung unbebauter Fläche entgegen zu wirken, gewinnt in einem Zeitalter der Urbanisierung die Transformation und Ergänzung des Bestandes in den Städten zunehmend an Wichtigkeit. Alle Materialien, die im Rahmen dieser Transformation frei werden, sollten im Sinne des Urban Mining langfristig neuen Funktionen zugeführt werden.
Naturbaustoffe wie Holz, Lehm, Bambus, Naturfasern und weitere nachwachsende und regenerierbare Materialien werden zukünftig der Substitution von fossilen Baustoffen dienen. In gemäßigten Zonen mit bewaldeten Gebieten wird der urbane Holzbau in Verbindung mit nachhaltiger Forstwirtschaft, dem Waldumbau und der Aufforstung neuer Wälder eine große Rolle zur Bekämpfung des Klimawandels spielen.

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GESUNDES LOWTECH BAUEN MIT KLIMAAKTIVEN NATURBAUSTOFFEN
Das Natural Building Lab forscht zum einfachen und gesunden Bauen unter möglichst geringem Einsatz von Technik. Ein wesentlicher Fokus liegt dabei in der Untersuchung des Einsatzes von klimaaktiven Naturbaustoffen.Lehm, Holz und Naturfasern können Raumluftfeuchte in großen Mengen schnell aufnehmen und wieder abgeben und das Raumklima, also Feuchte und Temperatur gut steuern. In Verbindung mit diffusionsoffenen Wandaufbauten ist ein robustes, einfaches Bauen möglich, das auf Lüftungs- und Klimatechnik verzichten oder diese signifikant reduzieren kann. Holz-Lehm Bauten ermöglichen eine gesunde relative Raumluftfeuchte um die 50% und reduzieren so das Gesundheitsrisiko durch Vieren etc. Lehm und Naturfasern ermögliche als diffusionsoffene Konstruktion einen hohen sommerlichen Wärmeschutz. Klimaangepasste Wohnhäuser in Deutschland und Massivlehmbauten im globalen Süden mit einem angemessenen Glasanteil ermöglichen so eine Innenraumtemperatur die bis zu 10° Celsius unter der Außentemperaturspitze liegt. Dies ist in Zeiten des globalen Temperaturanstieges von großer Bedeutung. Insbesondere mit Blick auf den großen Baubedarf für Menschen mit geringen Einkommen in Ländern des globalen Südens sollte auf den Verzicht von Gebäudetechnik, insbesondere Gebäudekühlung und einfachen Bausystemen hingearbeitet werden. 

TRANSDISZIPLINÄRE PROZESSE IN ARCHITECTKTURAUSBILDUNG UND PRODUKTION
Das Natural Building Lab forscht zu Lernprozessen, die eine Formulierung, kritische Reflexion und Bearbeitung von Aufgabestellungen mit außeruniversitären Partnern ermöglichen. Ein wesentlicher Fokus liegt dabei in DesignBuild als Methode der Architekturausbildung und -produktion. Die notwendigen, disruptiven Veränderungen im Bauwesen stellen eine immense Verantwortung für praktizierende und herangehende Architekt*innen dar. Um den geforderten Wandel in die Realität zu überführen, muss ihre Ausbildung mit neuen Methoden und Formaten reagieren, die einer sich in stetiger Veränderung befindlichen, globalisierten Gesellschaft Rechnung tragen. Sprunginnovationen ist nur möglich, wenn sie im interdisziplinären Zusammenspiel der beteiligten Disziplinen und im transdisziplinären Austausch mit der Gesellschaft entsteht. Architekturschulen sind Orte, an denen schon immer aktuelle Architekturdiskurse formuliert und verbreitet wurden. Trotz dieses Potentials sind sie auch Teil eins starren akademischen Umfeldes, das in seiner Grundkonstellation wie Architektur gelehrt und gelernt wird seit Jahrhunderten Bestand hat. Neue Handlungsweisen für das Bauwesen lassen sich etwa aus dem Format des DesignBuild Studios ableiten, in dem Studierende zusammen mit akademischen und nichtakademischen Akteur*innen in inter- und transdisziplinärer Zusammenarbeit Bauprojekte entwerfen und eigenhändig realisieren. Schwerpunkt der Arbeit des Natural Building Labs liegt dabei in selbstbestimmten Lernprozessen.

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NATURAL BUILDING LAB
constructive design &
climate adaptive architecture
Technische Universität Berlin
Institut für Architektur, Sek. A44
Straße des 17. Juni 152
10623 Berlin